GRÜNE Niederbayern fordern entschlossenes Handeln für den Wasserschutz
Deggendorf. Sinkende Grundwasserstände, Trockenperioden und ansteigende Starkregen zeigen: Der Schutz unserer Wasserressourcen gehört zu den drängendsten Zukunftsaufgaben in Bayern. Unter dem Motto „Die Donau erleben – und ihre Zukunft sichern“ machten die GRÜNEN Niederbayern bei ihrer traditionellen Donaupaddeltour deutlich, dass konsequenter Gewässerschutz, Klimaanpassung und eine verantwortungsvolle Wasserpolitik untrennbar zusammengehören. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Landtags-GRÜNEN Johannes Becher sowie den Landtagsabgeordneten Mia Goller und Toni Schuberl diskutierten sie mit Mitgliedern und Interessierten über konkrete Lösungen für den Schutz unserer wichtigsten Lebensgrundlage.
Thema des Pressegesprächs war klar: Die Wasserkrise ist längst in Bayern angekommen. Zwar fällt noch immer ähnlich viel Niederschlag wie früher, doch der Regen verteilt sich zunehmend ungleichmäßig. Statt gleichmäßiger Landregen häufen sich Starkregenereignisse, bei denen große Wassermengen oberflächlich abfließen und kaum noch im Boden versickern. Gleichzeitig nehmen Hitze- und Trockenperioden zu. Die Folge sind sinkende Grundwasserstände und wachsende Nutzungskonflikte um die wertvolle Ressource Wasser.
Johannes Becher: ein Digitales Wasserbuch ist dringend nötig
„Wer heute auf der Donau unterwegs ist, erlebt nicht nur die Schönheit unserer Heimat, sondern auch, worum es politisch geht“, erklärte Johannes Becher. „Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Es entscheidet über unsere Gesundheit, unsere Landwirtschaft, unsere Wirtschaft und unsere Natur. Deshalb dürfen wir beim Wasserschutz keine Zeit mehr verlieren. Vorsorge ist immer günstiger als das Reparieren der Schäden, wenn Quellen versiegen und Grundwasser knapp wird.“
Wie ernst die Lage bereits ist, zeigen die aktuellen Zahlen: Im laufenden Abflussjahr fehlen in Bayern rund 32 Prozent des üblichen Niederschlags. Gleichzeitig weisen 80 Prozent der oberflächennahen und 74 Prozent der tieferen Grundwassermessstellen niedrige Wasserstände auf. Auch Niederbayern ist besonders betroffen. Zwischen 2013 und 2022 hat sich hier rund 26 Prozent weniger Grundwasser neu gebildet als im langjährigen Durchschnitt.
„Wasserknappheit ist längst kein Problem mehr, das nur andere Regionen betrifft. Sie ist auch in Bayern angekommen – und gerade Niederbayern spürt die Folgen deutlich“, sagte Mia Goller. „Wir müssen Wasser künftig viel stärker in der Landschaft halten – mit humusreichen Böden, vielfältigen Fruchtfolgen, Agroforstsystemen, weniger Flächenversiegelung, Regenwasserrückhalt und dem Prinzip der Schwammstadt. Gleichzeitig muss Trinkwasser für Menschen, Tiere und die Lebensmittelproduktion immer Vorrang haben.“
Im Mittelpunkt der Diskussion standen deshalb konkrete politische Maßnahmen für ein zukunftsfähiges Wassermanagement. Die GRÜNEN fordern die Einführung eines digitalen Wasserbuchs, das erstmals transparent erfasst, wer wann, wie viel und wofür Wasser entnimmt. Nur mit einer verlässlichen Datengrundlage lasse sich die Ressource Wasser nachhaltig bewirtschaften und Nutzungskonflikte fair lösen. Ergänzend sprechen sich die GRÜNEN für einen Wassercent aus, den alle bezahlen müssen. Große Wasserentnahmen sollen damit einen angemessenen Beitrag zum Schutz und Erhalt der Wasserressourcen leisten.
Peter Hirmer, Sprecher des Arbeitskreises Wasser des Bund Naturschutzes, machte in seinem fachlichen Input deutlich, dass Wasser künftig noch bewusster geschützt und genutzt werden müsse. Hirmer warb dafür, Wasser als endliche Ressource zu begreifen und den natürlichen Wasserkreislauf wieder stärker in den Mittelpunkt politischen Handelns zu stellen. „Wasser ist ein Gemeingut und keine unbegrenzt verfügbare Ressource. Es ist die Aufgabe der politisch Verantwortlichen, heute die richtigen Entscheidungen zu treffen, damit auch kommende Generationen ausreichend sauberes Wasser zur Verfügung haben.“
Deutliche Kritik der GRÜNEN an der Bayerischen Staatsregierung
Trotz der sich verschärfenden Wasserkrise fehle bis heute eine verlässliche Datengrundlage über Wasserentnahmen. Statt die notwendigen Instrumente für ein modernes Wassermanagement zu schaffen und die Europäische Wasserrahmenrichtlinie konsequent umzusetzen, würden wichtige Regelungen unter dem Schlagwort des „Bürokratieabbaus“ aufgeweicht.
„Was als Bürokratieabbau verkauft wird, bedeutet in Wahrheit häufig den Abbau von Umweltstandards, Gesundheits- und Verbraucherschutz sowie von Beteiligungsrechten der Bürgerinnen und Bürger“, kritisierte Johannes Becher. „Gerade beim Wasser brauchen wir aber mehr Verantwortung statt weniger. Wer unsere wichtigste Lebensgrundlage schützen will, darf nicht die Augen vor den Fakten verschließen.“
Bei einer Rast am Niederalteicher Donaukreuz begrüßte Bezirksvorsitzende Claudia Woller die Teilnehmer*innen der Paddeltour. Sie betonte dort: „Naturschutz hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer Verhinderungspolitik hin zur aktiven Wiederherstellung von Lebensräumen entwickelt. Unsere Aufgabe ist es, die vielfältig zusammenhängenden Ökosysteme, vor allem den Wasserhaushalt, zu schützen. Dazu gehört das Bremsen des Flächenfraßes und tatkräftige Entsiegelung. Wasser ist unsere Lebensgrundlage.“
Am ‚ Mühlhamer Keller‘, dem Ausflugsende der Tour, machte Toni Schuberl deutlich, worum es den GRÜNEN bei der Donaupaddeltour geht: „Die Donau muss man erleben – nicht nur über sie sprechen. Wasser verbindet uns alle – Landwirtinnen, Kommunen, Unternehmen und Verbraucherinnen. Wir wollen gemeinsam Verantwortung übernehmen und unsere Lebensgrundlage sichern. Denn wer Wasser schützt, schützt die Zukunft Niederbayerns.“
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Fotos: Hermann Schoyerer







