MdB Marlene Schönberger würdigt offene Jugendarbeit als Schlüssel für Demokratie und Teilhabe

Hinter einer Bar stehen Marco Lorenz und Marlene Schönberger und lächeln in die Kamera.
Olivia Kreyling | v.l.: Marco Lorenz und Marlene Schönberger

Besuch im Viechtacher Jugendzentrum:

Wie erreicht man Jugendliche wirklich – und wie gelingt Beteiligung auf Augenhöhe? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Austauschtermins zwischen der Bundestagsabgeordneten Marlene Schönberger und dem Viechtacher Jugendpfleger Marco Lorenz. Im Gespräch wurde deutlich: Gute Jugendarbeit braucht Vertrauen, Kontinuität – und Strukturen, die sich an der Lebensrealität junger Menschen orientieren.

Marco Lorenz, der seit vielen Jahren in der städtischen Jugendarbeit aktiv ist, betonte, dass es vor allem niederschwellige Angebote brauche. „Viele Jugendliche haben bereits schlechte Erfahrungen gemacht, wenn Erwachsene versucht haben, sie einzubinden“, erklärte er. Klassische Beteiligungsformate griffen oft zu kurz. Die Haltung „Jugendliche sollen nach unseren Spielregeln spielen“ funktioniere in der Praxis nicht. Stattdessen müsse Jugendarbeit flexibel, offen und beziehungsorientiert gestaltet werden.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor sei dabei die Kontinuität. „Das A und O ist Verlässlichkeit“, so Lorenz. Das gelte sowohl im direkten Kontakt mit den Jugendlichen – durch vertraute Bezugspersonen und feste Räumlichkeiten – als auch in der Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Wenn über Jahre hinweg dieselben Jugendpflegerinnen und Jugendpfleger vor Ort seien, entstehe Vertrauen.

Positiv hervorgehoben wurde in diesem Zusammenhang auch das Engagement des damaligen Jugendbeauftragten und dritten Bürgermeisters Christian Zeitlhöfler, der wichtige Impulse gesetzt habe.

Beeindruckt zeigte sich Schönberger vom hohen Maß an Eigenverantwortung der jungen Menschen vor Ort. Das Jugendhaus wird in weiten Teilen von den Jugendlichen selbst organisiert. Junge Erwachsene zwischen 16 und 26 Jahren übernehmen die Aufsicht und den Betrieb eigenständig. „Dass das seit längerer Zeit so stabil und problemlos funktioniert, spricht für ein großes Verantwortungsbewusstsein und eine funktionierende Beziehungsarbeit“, sagte die Abgeordnete.

Ein weiteres Thema des Gesprächs war die Beteiligung junger Menschen an kommunalen Entscheidungsprozessen. Lorenz rät Kommunen, vor der Einrichtung eines Jugendparlaments zunächst eine gründliche Bedarfsanalyse durchzuführen. „Man sollte Jugendliche zuerst fragen, ob überhaupt Interesse besteht – und welche Ziele sie mit so einem Gremium verbinden“, sagte er. Ohne echte Nachfrage liefen solche Strukturen Gefahr, an der Lebenswirklichkeit vorbeizugehen.

Große Einigkeit bestand über die Bedeutung der Jugendsozialarbeit an Schulen. Sie sei ein unverzichtbarer Baustein, um frühzeitig Unterstützung anzubieten, Konflikte abzufangen und Perspektiven zu eröffnen. Schönberger zeigte sich begeistert von der in Viechtach geleisteten Jugendarbeit und betonte, wie wichtig eine enge Verzahnung von schulischer und gemeindlicher Arbeit sei.

Ihr Fazit nach dem Termin: „Gute professionelle Jugendarbeit geht weit über reine Freizeitangebote hinaus. Sie schafft Vertrauen, stärkt Selbstständigkeit und fördert demokratische Kompetenzen. Wer junge Menschen ernsthaft beteiligen will, muss ihnen Räume geben.“