Regelmäßige und generationsübergreifende Nachfrage: Seit zehn Jahren zeigt die Ilztalbahn, wie ein attraktiver Nahverkehr im ländlichen Raum aussehen kann. Bisher ist der ehrenamtliche Betrieb nur auf die Wochenenden im Sommerhalbjahr begrenzt, im zukünftigen Verkehrsverbund Donau-Wald fordert die Ilztalbahn einen täglichen Regelbetrieb. - Foto: Archiv PNP

Geschäftsführer Thomas Schempf kritisiert Nichteinbindung in aktuelle Studien – 10-Punkte-Forderungspapier erarbeitet

Von Christian Karl

FRG. Trotz des fortschreitenden Klimawandels und der dadurch immer dringlicher nötigen vorangetriebenen Verkehrswende stockt die konsequente Neuausrichtung der Verkehrspolitik in der Region – so sieht es zumindest Prof. Dr. Thomas Schempf. Der ehrenamtliche Geschäftsführer der Ilztalbahn GmbH befürchtet, dass die Ilztalbahn in einer bevorstehenden Grundlagenstudie zum Verkehrsverbund Donau-Wald nicht berücksichtigt wird. „Seit mittlerweile zehn Jahren fährt die ‚neue’ Ilztalbahn mit großem Erfolg – und spielt dennoch in der Verkehrspolitik des Freistaats Bayern und der Region keine Rolle“, kritisiert Schempf und fährt fort: „Der Beitrag der Bahn zur Entlastung der Straßen und zur Einhaltung der Klimaschutzziele wird immer wichtiger – nicht nur als abstrakt formuliertes Politikziel, sondern auch ganz konkret vor Ort.“


Schempf: Ilztalbahn bei Verkehrsstudien einbinden!
Die Ilztalbahn wurde, wie Schempf gestern in einer Pressemitteilung skizzierte, bislang weder in die Vorbereitungen zum Verkehrsverbund Donau-Wald eingebunden noch in das seit 2018 laufende „Dialogforum Nordumgehung Passau“. Auch die Workshops der Studie „Mobilität neu Denken“ haben bisher mit Blick auf die Interessen der Ilztalbahn-Betreiber und -Befürworter keine konkreten Ergebnisse geliefert. „Wenn jetzt in der anstehenden Grundlagenstudie zum Verkehrsverbund alle verkehrlichen Aspekte zusammenfassend betrachtet werden sollen, kann die Ilztalbahn nicht außen vor bleiben. Für die Ilztalbahn liegt zum Beispiel seit 1998 ein positives Gutachten zur Reaktivierung im Regelverkehr vor“, erwähnt Schempf leicht verärgert.
Reaktivierungsprojekte aus ganz Deutschland würden anschaulich zeigen, welchen Erfolg reaktivierte Bahnstrecken für die jeweilige Region haben können. „Diese Chance wird sowohl im Verkehrsministerium als auch hier in der Region nur unzureichend erkannt. Es ist höchste Zeit, einen regelmäßigen und getakteten Bahnverkehr zwischen Passau, Waldkirchen und Freyung offen und vorurteilsfrei zu untersuchen“, so Schempf.
In einem Eckpunktepapier hat die Ilztalbahn GmbH nun zehn Kernforderungen an den zukünftigen Verkehrsverbund Donau-Wald formuliert. Unter anderem stehen dort im Anschluss umfangreich hinterlegte Forderungen wie „Bündelung der Kompetenzen und ein Angebot aus einem Guss“, „Verbundraum nicht zu klein denken“, „Zukunftsorientierte Arbeitsplanung statt Fortschreibung des Status Quo“, „Taktverkehr mit Bahnen und Bussen auf den Hauptachsen, flexible Angebote als Zubringer“, „Vorhandene Infrastrukturen ausbauen, Eisenbahnstrecken reaktivieren“ ebenso wie die Vorgaben, mit einfachen und günstigen Tarifen Zugangsbarrieren zu senken oder mit einer gemeinsamen Marke und einhergehenden Erscheinungsbild aufzutreten, um mehr Kunden zu gewinnen. Zudem gelte es, die Qualität und Barrierefreiheit durch Investitionen in Fahrzeuge und Infrastruktur zu fördern. Aus dem Verkehrsverbund müsse mittelfristig ein „ganzheitlicher Mobilitätsverbund“ werden, so der Ilztalbahn-Geschäftsführer und seine Mitstreiter.


Landesbuskonzept bis dato ohne Ilztalbahn
Ein besonderes Augenmerk gelte freilich der sicherzustellenden Finanzierung. Es genüge nicht, dass der Freistaat Verbundstudien finanziert. Vielmehr müsse er im Rahmen einer „verlässlichen Komplementär-Finanzierung das Angebot und notwendige Investitionen dauerhaft absichern“, heißt es in dem ausführlichen Forderungspapier, das unter www.ilztalbahn.eu/verkehrsverbund zum Download bereitsteht.
Gleichzeitig versuche der Freistaat Bayern laut Schempf aktuell, mit der Förderung von landkreisübergreifenden Regio-Bussen den Regelverkehr auf der Ilztalbahn zu verhindern. Ein Konzeptpapier des Ministeriums („Pilotlinien Bahn-Bus-System Bayern“) enthält unter anderem die Buslinie Passau – Waldkirchen – Freyung – Grafenau. Schempf dazu: „Grundsätzlich begrüßen wir die Förderung von Busverkehren dort, wo keine Bahnlinien existieren und diese Buslinien eine echte Netzergänzung darstellen. An den Fahrtagen der Ilztalbahn zeigt sich jedoch deutlich, dass ein Großteil der Fahrgäste den Zug und nicht die parallel verkehrenden Busse der Linie 100 wählt.“


ILZTALBAHN
Die Ilztalbahn GmbH führt seit 2011 an Wochenenden im Sommerhalbjahr wieder regelmäßige Fahrten auf der reaktivierten Ilztalbahn zwischen Passau, Waldkirchen und Freyung durch. Der Betrieb und die Instandhaltung der Strecke werden vollständig ehrenamtlich durchgeführt und bis heute mit über 1,5 Millionen Euro privater Mittel finanziert. Langfristiges Ziel der Ilztalbahn GmbH ist ein täglicher Regelverkehr im Stundentakt zur Entlastung der Straßen und zur Reduktion der durch den Verkehr verursachten Emissionen. Diese Verkehre können dann aber nicht mehr ehrenamtlich erbracht werden. Die Zuständigkeit für den Schienenpersonennahverkehr liegt seit 1996 beim Freistaat Bayern, der mit dieser Aufgabe die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) betraut hat.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 05.01.2021

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