Will Sexismus im Festzelt stoppen: die AgBS. −Foto: Lena Bergmann

Nach dem Ende der Online-Petition plant die "Aktion gegen Bierzeltsexismus" ihr künftiges Engagement

36.235 Unterschriften hat die "Aktion gegen Bierzeltsexismus" gegen das Donaulied gesammelt. Am Dienstagabend nahm der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper die Stimmen entgegen.

von Lena Bergmann

Corinna Schütz, Initiatorin der Online-Petition und Mitbegründerin der AgBS, und ihre Mitstreiterinnen zeigten sich bei der Unterschriften-Übergabe im Rathaus mehr als erfreut: "Ich hätte nie gedacht, dass wir in so kurzer Zeit so weit kommen."

Ursprünglich ging es der Passauer Studentin darum, auf den Sexismus und die Verherrlichung von Vergewaltigung in dem alten bayerischen Volkslied aufmerksam zu machen. Es seien Strophen wie "Ich machte mich über die Schlafende her" oder "Mein Mädchen was regst du dich auf? Für mich war es schön und für dich sicher auch", die sexuelle Gewaltfantasien gegenüber Frauen normalisieren. Mit ihrer Idee hat sie neben ihren Passauer Kommilitonen auch Menschen in Straubing und Regensburg inspiriert, die eigene Petitionen starteten. Die Stadt Montabaur im Westerwald hat das Spielen des Liedes in Bierzelten sogar bereits abgeschafft. Schütz betonte, die Aktion richte sich nicht gegen Tradition - um das zu unterstreichen, seien sie und einige ihrer Mitstreiterinnen im Dirndl zu der Stimmen-Übergabe erschienen.

Zuspruch aus dem Passauer Stadtrat

Zuspruch erhielt die Petition parteiübergreifend: Der Landesvorsitzende der bayerischen Grünen, Eike Hallitzky, sagte am Abend in Passau, das Donaulied stehe beispielhaft für Alltagssexismus. Viele Menschen machten sich das gar nicht bewusst. Die positiven Reaktionen auf die Initiative seien überwältigend. Im Passauer Stadtrat stimmten sowohl die Anhänger der Grünen als auch Evi Buhmann und Rosemarie Weber von der CSU zu. Neben Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) hat auch der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) seine Unterstützung angekündigt. Er wolle vor allem den Dialog mit den Festwirten herstellen.

Für die Zukunft plant die AgBS ihr Engagement überregional auszuweiten: "Wir haben die großen Volkfeststädte angeschrieben, auch teilweise über die bayerische Grenze hinaus und haben festgestellt, dass es da ganz unterschiedliche Standards gibt. Manche haben schon viel gemacht und andere hinken noch hinterher. Da wollen wir ansetzen und Lösungen vorschlagen, wie man ein einheitliches Konzept erarbeiten kann." Sie hätten schon viele Ideen, wollen das Ganze aber auch mit Experten absprechen. Mit sogenannten "safe-words" zum Beispiel, kann man auf unauffällige Weise andere darauf aufmerksam machen, dass man sich bedroht fühlt. Angedacht sind auch Ansprechpartner vor Ort auf Veranstaltungen, an die sich Betroffene gezielt wenden können.

Sexismus als Sicherheitsfrage im Mittelpunkt

Die Gruppe will aber nicht nur mit gesellschaftlichen und politischen Akteuren ins Gespräch kommen: "Wir wollen erreichen, dass Betroffene sich trauen, ihre Geschichten zu erzählen und man sich über das Thema Bierzeltsexismus genauso Gedanken macht, wie über Schutz von Frauen auf Festivals oder in Diskotheken. Auch da läuft es nicht optimal, aber es werden Konzepte erarbeitet."

Weil dem Thema vor allem die Aufmerksamkeit fehle, habe die Gruppe auf jeden Fall vor weiterzumachen. "Es werden keine neuen Lieder angegangen", meint Corinna Schütz. "Es geht wirklich nur um das Thema Sexismus als Sicherheitsfrage."

Quelle: Passauer Neue Presse vom 18.08.2020

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