Weil die Abstandspflicht in Schulbussen auch mit reduzierter Auslastung nicht einzuhalten ist, muss jeder, der mitfährt, eine Maske aufsetzen. Die Busse werden zudem belüftet und gereinigt. - Foto: dpa

Grünen-Kreisrätin stellt Anfrage zum Vorgehen − Landratsamt listet geplante Maßnahmen zum Infektionsschutz auf

Von Tanja Rometta

Passau. In gut zwei Wochen geht das neue Schuljahr los. Wie der Unterricht mit Corona genau ablaufen wird, welche Rolle Homeschooling weiter spielt, Maske im Klassenzimmer ja oder nein – das wird derzeit alles ausgetüftelt. Grünen-Kreisrätin Veronika Fischl, die auch im Ausschuss für Bildung und Gesundheit sitzt und als Lehrerin arbeitet, fragt sich indes, wie sicher der Schulweg für die Kinder sein wird und ob es ein Hygienekonzept für die Schulbusse gibt. Sie hat eine entsprechende Anfrage ans Landratsamt gestellt, wo man sich schon Gedanken zum Thema gemacht hat.
„Auf vielen Schulbuslinien im Landkreis waren die Busse schon vor Corona übervoll. Nach wenigen Kilometern Fahrt waren die Scheiben im Bus oft schon beschlagen. Dies wären optimale Voraussetzungen für eine Ansteckung“, schreibt Fischl an Landrat Raimund Kneidinger und stellt ihm drei Fragen:

„Inwieweit wurde ein Hygienekonzept für den Schulbus-Verkehr im Schuljahr 2020/2021 erstellt?"

"Gibt es Absprachen mit den Busunternehmern im Landkreis, um ein entsprechendes Hygienekonzept umzusetzen?"

"Gibt es Kontaktaufnahmen mit dem Gesundheitsministerium bezüglich Vorgaben, Förderungen etc.?“

Fischl hält es für sinnvoll, im Hygienekonzept „die maximale Besetzung im Bus auf 80 Prozent der Sitzplätze zu beschränken. Die Masken-Tragpflicht muss streng eingehalten werden. Eventuell können auch die Schulen die Schulbeginnzeiten variieren“, schlägt sie vor und spricht sich dafür aus, einen Förderantrag für die zusätzliche Bestellung von Bussen bei der Staatsregierung zu stellen und ungenutzte Reisebusse einzusetzen.
„Der Landkreis Passau ist Aufgabenträger für die Schülerbeförderung aller Schüler der 5. bis zur 10. Klasse, die eine weiterführende Schule besuchen und im Landkreis Passau wohnen“, erklärt Landratsamtssprecher Werner Windpassinger. „Für die Schülerbeförderung der Grund- und Mittelschulen sind die Gemeinden Aufgabenträger, daher kann das Landratsamt nur für seinen Bereich sprechen.“ Der Landkreis stelle die Schülerbeförderung zu 95 Prozent über den ÖPNV sicher.
„Nachdem das Interesse einer möglichst geringen Ansteckungsgefahr innerhalb der Schülerbeförderung nicht nur ein Thema im Landkreis Passau ist, hat das Kultusministerium bereits Anfang Mai bayernweite Regelungen getroffen.“ An die halte man sich auch im Landratsamt und habe bereits Vorkehrungen fürs neue Schuljahr getroffen.

HYGIENEKONZEPTE

Alle eingesetzten Fahrzeuge sind mit Hinweisen zum richtigen Verhalten im Nahverkehr ausgestattet.
Die Verkehrsgemeinschaft Landkreis Passau (VLP) habe die Fahrgastzahlen während der Pandemiezeit erfasst und bereits Verstärkerbusse zum Schulstart eingeplant, „um den Schülern im Landkreis Passau einen bestmöglichen und vor allen Dingen gesunden Start ins Schuljahr ermöglichen zu können“, sagt Windpassinger. „Alle Unternehmen der VLP verfügen über Hygienekonzepte und stellen durch eigene Reinigungs- und Lüftungskonzepte eine größtmögliche Sicherheit her.“ Dazu werde derzeit ein Info-Flyer erstellt.

MASKENPFLICHT

In den Schulbussen hat jeder eine Mund-Nasen-Maske zu tragen.
Laut der Infektionsschutzregelung gilt für die Beförderung in öffentlichen Verkehrsmitteln die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, auch weil dort der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht einzuhalten ist. „Da es wie im ÖPNV auch bei den Schulbussen im freigestellten Schülerverkehr trotz Ausschöpfung der Kapazitäten nicht möglich sein wird, die Einhaltung der Abstandsflächen zu garantieren, wird es aus fachlicher Sicht für zulässig erachtet, hier bei bestehender Maskenpflicht vom zwingenden Einhalten der Abstandsregelung abzusehen“, so Windpassinger. „Insofern gilt nichts anderes als für den ÖPNV. Wir haben die kommunalen Aufgabenträger der Schülerbeförderung entsprechend informiert.“

ZUSATZBUSSE

Im Rahmen des Möglichen werden alle Schulbus-Kapazitäten ausgeschöpft.
Der Landkreis habe bereits im vergangenen Schuljahr in Absprache mit der VLP die Kapazitäten, soweit notwendig und vorhanden, ausgeschöpft. „Das Fahrpersonal war ständig in Kontakt mit den Disponenten, um volle Fahrzeuge mit Verstärkerbussen zu unterstützen. Auch Qualitätsprüfer wurden zur Optimierung eingesetzt und die Bevölkerung gab Rückmeldung über das Portal ,Enge im Nahverkehr‘.“ So will man es auch im neuen Schuljahr handhaben.
„Selbstverständlich werden wir weiterhin überall dort, wo es notwendig sein wird, im Rahmen der Kapazitätsgrenzen von Fahrzeug- und Fahrpersonal, in allen Bereichen versuchen, das Infektionsrisiko so weit es geht zu minimieren“, so Windpassinger. Es müsse jedoch allen Beteiligten klar sein, dass die zusätzlich verfügbare Kapazität, etwa aus dem Reisebusverkehr, relativ schnell erschöpft sein kann – Fahrpersonal ebenso vorausgesetzt. „Eine Kapazitätsobergrenze von 80 Prozent in allen Bussen wäre auch aus unserer Sicht mehr als wünschenswert, wird allerdings realistischerweise weder für unseren Landkreis, noch für nahezu alle anderen Aufgabenträger möglich sein.“ Die Regierung verzichte hier bewusst auf generelle Vorgaben, „da für adäquate Lösungen die Gegebenheiten vor Ort entscheidend sind“.

KOSTEN

Für die Finanzierung der Zusatzbusse gibt es bislang keine Aussage der Regierung.
„Für eine zusätzliche Verstärkerfahrt in der Schülerbeförderung werden durchschnittlich 350 bis 400 Euro je Fahrtag aufgerufen. Bereits bei zehn Zusatzbussen bedeutet dies Mehrkosten für den Landkreis von 20000 Euro für eine einzige Schulwoche“, rechnet Windpassinger vor. Pro Schultag fahren rund 130 Linienbusse (ohne freigestellten Schülerverkehr) im Landkreis. „Sie würden sicher zur Hälfte die Grenzen der 80 Prozent Sitzplatzauslastung überschreiten.“
Eine Tragweite, die die Verkehrsunternehmen im Landkreis weder fahrpersonal-, noch fahrzeugtechnisch leisten könnten „und dies trifft sicher auch für den Landkreis als Aufgabenträger in finanzieller Hinsicht zu“.

MITDENKEN

Das Verhalten von Schülern und Fahrgästen kann enorm zur Infektionsvermeidung beitragen.
„Wir stellen immer wieder fest, dass gerade Schüler bei mehreren Fahralternativen morgens meist die letzte, bei der Heimfahrt – verständlicherweise – gerne die zuerst verfügbare in Betracht ziehen.“ Die Konsequenz: Diese Busse sind gut gefüllt, während Busse, die morgens oftmals nur einige Minuten vorher und Mittags einige Minuten später verkehren, halb leer ihre Fahrten antreten. „Deshalb möchten wir an alle Fahrgäste, die eine Fahralternative zu Verfügung haben, appellieren, diese auch zu nutzen“, so Windpassinger. Denn die Verteilung von Fahrgästen in den Bussen habe der Landkreis nicht in der Hand.--

Quelle: Passauer Neue Presse vom 22.08.2020

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