Kinder brauchen mehr als Smartphones

Nahaufnahme von zwei Frauen vor einem hellen Hintergrund in einem Innenraum. Links steht eine Frau mit dunklen, schulterlangen Haaren und einem freundlichen Lächeln, bekleidet mit einem dunkelgrünen Blazer und einem cremefarbenen Spitzenkleid. Rechts daneben steht eine Frau mit rötlich-blonden Haaren und einem dunklen, strukturierten Blazer. Im Hintergrund ist ein Plakat der S&D (Progressive Allianz) mit dem Schriftzug „BARLEY“ erkennbar.
Büro Goller | Dr. Katarina Barley (Vizepräsidentin Europäisches Parlament) und MdL Mia Goller

Mia Goller fordert bei Brüssel-Reise der Kinderkommission mehr Schutz im Internet und attraktive Treffpunkte für junge Menschen im ländlichen Raum

Brüssel/Rottal-Inn. Kinder und Jugendliche müssen im Internet besser geschützt werden. Doch Verbote und strengere Regeln allein reichen nicht aus. „Wir müssen jungen Menschen auch etwas anbieten, das sie vom Bildschirm wegbringt und ihnen die Möglichkeit gibt, gemeinsam mit anderen ihre Freizeit zu verbringen“, fordert die niederbayerische Landtagsabgeordnete Mia Goller (Grüne). Sie war als Mitglied der Kinderkommission des Bayerischen Landtags zu politischen Gesprächen nach Brüssel gereist.

Im Mittelpunkt der Gespräche stand der geplante europäische „Kids Act“, der Kinder und Jugendliche besser vor schädlichen Inhalten, manipulativen Algorithmen und gezielter Beeinflussung auf digitalen Plattformen schützen soll. Die parteiübergreifend besetzte Kinderkommission fordert eine rasche Verabschiedung entsprechender europäischer Regelungen.

Mit dem geplanten EU Kids Act will die Europäische Kommission strengere Regeln für soziale Netzwerke, Online-Spiele und künstliche Intelligenz schaffen. Vorgesehen sind unter anderem neue Altersgrenzen für die Nutzung sozialer Medien, eine stärkere Einbindung der Eltern sowie Einschränkungen suchtfördernder Funktionen wie endlosem Scrollen. Auch KI-Chatbots sollen besonderen Schutzvorschriften unterliegen, um beispielsweise emotionale Abhängigkeiten bei Minderjährigen zu verhindern. Plattformbetreiber sollen das Alter ihrer Nutzer zuverlässiger überprüfen und bei Verstößen mit empfindlichen Strafen rechnen müssen. Der Gesetzesvorschlag ist noch nicht beschlossen und wird auch mit Blick auf Datenschutz und digitale Selbstbestimmung diskutiert.

Für Goller ist dabei entscheidend, den Blick nicht allein auf die digitale Welt zu richten. „Natürlich brauchen wir Aufklärung und klare Regeln für die Plattformen. Aber wir müssen uns auch fragen: Wo sollen sich unsere Kinder und Jugendlichen eigentlich treffen, wenn sie nicht ständig vor dem Bildschirm sitzen sollen?“

Gerade im ländlichen Raum fehle es vielerorts an geeigneten Treffpunkten. Anders als in größeren Städten gebe es nicht in jedem Ort ein Jugendzentrum oder andere Einrichtungen, in denen junge Menschen zwanglos zusammenkommen, miteinander ratschen, gemeinsame Aktivitäten entwickeln oder auch über ihre Sorgen und Probleme sprechen können. Neben der wichtigen Kinder- und Jugendarbeit der Vereine brauche es deshalb auch offene Angebote, die ohne Vereinsmitgliedschaft genutzt werden können.

Goller sprach sich in Brüssel ausdrücklich dafür aus, solche Einrichtungen auch künftig mit europäischen LEADER-Mitteln zu unterstützen. In Brüssel wird derzeit heiß diskutiert , ob die LEADER Mittel, also die europäische Förderung für die ländliche Entwicklung weiter finanziert werden soll. Für Mia Goller wäre eine Kürzung fatal.

  „Wir brauchen Räume, wir brauchen Menschen, die neue Angebote betreuen, und wir brauchen eine verlässliche Finanzierung. Bestehende Treffpunkte müssten erhalten und dort, wo Angebote fehlen, neue Möglichkeiten geschaffen werden.“

Die Förderung von Jugendzentren, Begegnungsorten und Freizeitangeboten sei weit mehr als eine freiwillige Zusatzleistung. „Wenn wir wollen, dass junge Menschen weniger Zeit in der digitalen Welt verbringen, müssen wir ihnen auch attraktive Alternativen bieten. Kinder brauchen nicht nur Schutz vor den Gefahren im Internet. Sie brauchen vor allem auch Gemeinschaft, persönliche Begegnungen und Platz, um sich zu entfalten. Und zwar in echten Leben.“ betont Goller.

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